Die spastische Lähmung
Begriffserklärung
- Lähmung: Plegie = Verlust, unzureichende oder fehlerhafte Kontrolle über einen Muskel
- Teillähmung: Parese
- Totallähmung: Paralyse
- Monoplegie: Lähmung einer Extremität
- Paraplegie oder Diplegie: Lähmung beider Beine
- Hemiplegie: Halbseitenlähmung (ein Arm und ein Beim)
- Teraplagie: Lähmung aller vier Extremitäten
Spatische Lähmung
- Spasmus: Übertonus einer bzw. mehrerer Muskelgruppen, selten eines Muskels (Nervale Überfeuerung an Kontaktionsbefehlen an den Muskel / Spasmo = Krampf)
- Folge: Muskeldysbalance
- Intensität ist abhängig vom Schweregrad der neurologischen Grunderkrankungen
- Genetisch (bei Fällen in der Familie- zehnmal höherer Häufigkeit/ Spina bifida/ Infantile Cerebralparese/ Friedreich-Ataxie)
- Pränatal: Vor der Geburt (meist Krankheiten der Mutter, Alkohol)
- Perinatal: während der Geburt (z.B. Nabelschnurstrangulation)
- Postnatal: nach der Geburt (meist Entzündungen der Hirnhäute o. des Gehirns, Traumen, Apoplex, Tumore)
Ataxie:
- Störung von Bewegungsabläufen
- Grobmotorische Bewegung
- Feinmotorik ist beeinträchtigt
Athetose:
- Langsame, unwillkürliche, schlangenartige Bewegung
- Typisch: starke Abspreizungen und Grimassen
- Patienten sind nicht in der Lage die Glieder an einer Stelle zu halten
Choreatische Bew.: (Chorea, gr.=der Tanz)
- Unwillkürliche, schnell zuckende, sich wiederholende Bewegung
- Oft kombiniert mit Sensibilitäts-, Hör-, Schluck- und Sprachstörungen
- U.U. Intelligenzdefekte
- Spasmus betrifft häufig die lange, zweigelenkige Fuß und US- Muskulatur
- Muskeldysbalance zwischen Agonisten und Antogonisten
- Spitzklumpfuß, Hackenhohlfuß, Knickplattfuß
- Rumpf- und Haltungsdefizite
- Fehlhaltung in den Hüftgelenken (meist flexiert, adduziert und innenrotiert)
- Kniegelenksfehlstellung (häufig leicht gebeugt, mit Genu valgum) -typischer Scherengang
- Durch die cerebelläre Schädigung häufig mit sensiblen, vegetativen und propriozeptiven Defiziten
- Sog. ,, Einschließen´´ des Spasmus in die Muskulatur beim passiven Korrekturversuch
- Kompensatorische Arm- und Rumpfbewegungen
- Gelenke sind in Kontrakturgefahr
Versorgung/ Therapie
Konservativ
- Physiotherapie
- Kräftigung der dem Spasmus antagonistischen Muskulatur
- Erlernen (Einschleifen) physiologischer Bewegungsmuster
- Kontrakturprophylaxe
- Neurophysiologische Einlagen und Orthesenversorgung
- Unterschiedlichste Versorgungstheorien
- Innenschuhe, orthopädischer Maßschuh, Orthesen, Schuhzurichtungen, Einlagen
- Prinzipien: Korrektur ist nur bis zu dem Grad möglich in dem der Spasmus noch nicht "einschließt"
- Gewährleistung der statischen und dynamischen Sicherheit
- Unterstützung im Dynamischen Abrollverhalten (muss dem Krankheitsbild angemessen sein)
- Botulinumtoxin (Nervengift) ,,lähmt´´ die Überfeuerung an Kontraktionsbefehlen (genau dosierte Injektion intramuskulär)
- Wirkung ca. 3 Monate, in dieser Zeit gute physiotherapeutische Fortschritte (Gelenkbeweglichkeit)
- Kaum Nabenwirkungen, aber schmerzhaft und kostenintensiv
- Versetzung von Sehnenansetzen um die Muskeldysbalance wenigstens teilweise auszugleichen
- Korrekturosteotomien
- Arthrodesen
- Neurologische Eingriffe (Neurochirurgisch)
