Amputationen/ Fußteilabsetzungen
Ursachen
- Traumen unterschiedlicher Art; z.B. Unfall, Schussverletzungen, Erfierungen, Verbrennungen usw.
- Infektionen; z.B. Osteomyelitis, M. Sudeck usw
- Durchblutungsstörungen; z.B. bei Diabetes mellitus
- Tumore; z.B. Knochenmetastasen
- Gravierende knöcherne Fehlstellung, die die eigentliche Funktion unmöglich machen
- Angeborene Fehlbildung; z.B. Polysaktylie (Vielgliederkeit) Phokomelie (Robbengliederkeit)
Bezeichnung der Fußstümpfe
- Amputation und Teilamputation der Großzehe (Hallux)
- Exartikulation einzelner oder mehrerer Kleinzehen (II – V)
- Zehenexartikulation nach Sharp – Jäger: sog. langer Mittelfußstumpf
- langer Sharp; kurzer Sharp: sog. langer/ kurzer Mittelfußstumpf
- Lisfranc- Stumpf: langer Fußwurzelstumpf
- Bona- Jäger- Stumpf: kurzer Fußwurzelstumpf
- Chopart- Stumpf: kurzer Fußwurzelstumpf
- Pirogoff-Stumpf
- Syme-Stumpf langer Unterschenkelstumpf
- Spezielle Amputationen und Exartikulationen wie z.B. die Resektion einzelner Knochen, Calkanektomien (total o. partiell), Talektomien oder Längsamputationen sind eher selten und bedürfen spezieller Indikation.
Probleme bei Stumpfversorgungen
- Je kürzer der Stumpf, umso ungünstiger die Hebelverhältnisse und damit die Einwirkung von mechanischen Kräften auf den Fuß
- Muskulatur ist häufig infolge Inaktivität atrophiert (dadurch vermindertes Stumpfpolster mit evtl. nachfolgender Knochenatrophie)
- Narbengewebe kann bei ungünstiger Lage starke Probleme machen aber auch bei sog. guter Lage ist es unelastisch und druckempfindlich und es ist schrumpfendes Gewebe
- Bildung von Hyperkeratosen (Hornhautüberproduktion), Stumpfandknoten (hornzysten), können sich leicht entzünden und begünstigen Fistelungen
- Ödematöse Anschwellungen sind postoperativ normal, sollten aber nach Wundheilung abgeklungen sein
- Stumpfpflege ist notwendig, um Belastungsfähigkeit zu erhalten, besonders ist aber die Narbe zu pflegen (fettende Salben)
- Amputationen führen immer zu Defektheilung, die auch optisch nicht sehr ansprechend sind, umso wichtiger ist es eine kosmetisch entgegenkommende Versorgung zu fertigen, um psychische Belastungen möglichst klein zu halten
- Mitunter sehr starke sog. Phantomschmerzen können auftreten (aufgrund von lebenden aber unfunktionellen, durchtrennten Nervenbahnen)
Allgemeine Versorgungsrichtlinien
- Aus kosmetischen Gründen sollten beide Schuhe möglichst gleich lang gearbeitet werden (solange die Funktion nicht beeinträchtigt wird)
- Wiederherstellung des verkürzten vorderen Hebels (bessere Erfolge bei nicht vollem Ausgleich)
- Scheuerbewegungen zwischen Stumpf und Hilfsmittel sind zu vermeiden (Empfindungsausfälle sind nicht selten)
- Je kürzer der Stumpf, umso mehr sollte der Stumpf in scheinbarer Hackenfußstellung und Supinationsstellung gestellt werden
- Bestehende Bewegungsmöglichkeiten im OSG nutzen; das durch die Fußteilabsetzung entstandene Muskelungleichgewicht begünstigt Fehlstellungen (Spitzfuß- Wadenmuskulatur)
- Möglichst flache Absätze
- Stumpfkuppe sollte mit einer Spitzenzugabe und einer bedarfsgerechten Polsterung entlastet gearbeitet werden
- Hautfreundliches Futtermaterial verwenden (hohe Feuchtigkeitsaufnahme)
- Bei Verkürzung der belastbaren Fußsohlenflächen um mehr als 2/3 sollte ein Teil der Körperlast über die Schienbeinkante abgefangen werde
Hallux- Amputation
Erscheinungsbild
- Ungenügendes und kraftloses Abstoßen des Fußes
- Reduzierte Steh- und Gehsicherheit (Verkleinerung der statischen Auftrittsfläche)
- Spreizfußbeschwerden (volle Belastung der Mittelfußköpfchen)
- Achsverschiebung der Zehenstahlen
Versorgung
- Elastische Versteifung und Ballenrolle verhindern schmerzhaften Bodendruck und das Aufbiegen der Schuhspitze
- evtl. Zehenersatzstück (Gefahr von Druckstellen)
- Einlagenversorgung um das Vorrutschen des Fußes zu vermeiden und den Vorfuß zu entlasten
Langer Mittelfußstumpf
Erscheinungsbild
- alle wichtigen Fußmuskel behalten ihre Ansatz und ihre Funktion (muskuläres Gleichgewicht intakt)
- teilweise Überlastung der lateralen MFK (mediale MFK haben den Bodenkontakt verloren)
- vorderer Hebelarm verkürzt
Gangbild
- ungenügendes Abstemmverhalten des Fußes
- mechanische Schrittlänge verkürzt
- Überlastung der MFK- Knöpfchen
- Leichte Spitzfußstellung durch das Fehlen des Ballenmassivs
Versorgung
- Einlagen mit vorderem Höhenausgleich, Schuhzurichtung (Rolle, Versteifung)
Maßschuhversorgung
Leisten
- Fuß in scheinbarer Hackenfußstellung positionieren
- Verwendung eines Stumpfleistens mit in der Bettung integriertem Vorfußersatzstück (!!genaueste Rückfußmaße!!)
- Oder Normalleisten mit anschließend eingearbeitetem Vorfußersatzstück
- Bandagenartige Passform
- Zwischen Stumpfkuppe und Vorfußersatzstück weich polstern möglichst mit Spitzenzugabe arbeiten ("Luft ist das beste Polster")
Bettung
- Schalenförmig arbeiten
- Scheitellinie der Rolle statisch hinter der Stumpfkuppe platzieren
- Scheinbare Hackenfußstellung beibehalten
- Evtl. Polsterung überlastet Bereiche
Schaft
- Verschlusstechnik den Bedürfnissen und Möglichkeiten des Patienten anpassen
- Weiter Einschlupf, evtl. mit Laschenpolster (Stumpfnarbe beachten)
- Kosmetisch eine, der Fußform angepassten, schönen, bzw. "vertuschenden" Schaftgestaltung anstreben.
Boden
- Vorderkappe sollte über das Stumpfende ragen und sich mit der Hinterkappe überlappen
- Statische Sicherheit durch Keil- oder Stegabsatz gewährleisten
- Dem Patienten angepasste Gestaltung der Vorfußersatzstückes (Hart/ Weich/ o. Kombination)
Kurzer Mittelfuß-/ langer Fußwurzelstumpf
Erscheinungsbild
- Basis V bleibt meist erhalten
- Ansatz: M. peronaeus brebis / longus
- Ansatz: M. tibialis anterior
- Muskelgleichgeweicht mäßig, aber zufrieden stellend
- Vorderer Hebelarm verkürzt
- Sog. Stelzengang
Versorgung
- Amputationsstiefel mit festem o. flexiblem Vorfußersatzstück
- Möglichst mit Laschenversteifung arbeiten
- Günstig ist die Versorgung mit Innenschuhen (höherer Kontakt zum Fuß unf bessere Kosmetik)
Chopart/ Pirogoff/ Syme
- Wegfall der wichtigsten Muskeln bzw. deren natürlichen Ansatzpunkte (Ansätze werden häufig versetzt)
- Der Spitzfußstellung muss verstärkt entgegengesetzt werden
- Bei Pirogoff und Syme Stümpfen ist ein Beinlängenausgleich nötig, der in der Orthopädie-Technik erklärt ist
- Einsatz von Innenschuhen als Hülsenkonstruktion in Gießharztechnik ist vorteilhaft
Minderbelastungfähige Stümpfe
- Bei schmerzhaften Stumpfkappen oder Sohlenflächen
- Versorgung des gesamten Unterschenkels
- Sog. "Kniekondylenfassung" fängt das Körpergewicht ab (z.B. Zweischalenorthese nach Stumpf
- Ggf. sind auch Nach-OPs oder Amputationen notwendig
Amputationshöhen am Bein
- Langer Unterschenkelstumpf: funktionell sehr ungünstig
- Kurzer Unterschenkelstumpf: 10-12 cm Tibialänge sind günstig für Prothesenversorgung
- Knie-Exartikutation: funktionell ungünstig, Kniegelnektersatz hat seinen Sitz zu weit unten
- Umkehrplastik nach Borggreve van Nes: selten, aber hohe Funktionalität
- Kurzer Oberschenkelstumpf
Amputationen im Beckenbereich
- Oberschenkelamputation inkl. Trochanter minor
- Hüftexartikulation
- Hemipelvektomie: Absetzung einer Beckenhälfte
- Hemikorporektomie: Absetzung des ges. Beckens einl. Kreubein und LW5
